Software story
Dieser Text bzw. Teile daraus dürfen nur nach vorheriger Genehmigung durch den German Rock e.V. und mich anderweitig veröffentlicht werden (z. B. in gedruckter Form oder auf einer anderen Homepage). Wer den Begriff Software hört, denkt zwangsläufig an Computer, Betriebssysteme, Anwendungen oder Spiele. Doch innerhalb der populären Elektronikmusik hat der Begriff noch eine weitere Bedeutung, nämlich als Namensbezeichnung eines Musikprojektes, dass seit Jahren viel beachtete Veröffentlichungen nachzuweisen hat.
Auch wenn es sich bei Software um ein Projekt handelt, bei dem unterschiedliche Künstler die Musik lieferten, so ist es doch hauptsächlich mit den Namen Peter Mergener und Michael Weisser verbunden.
Peter Mergener wurde am 28.11.1951 in Birkenfeld/Nahe geboren. Ende der 60`er Jahre interessiert sich Peter für die Musik damaliger Größen wie Jimi Hendrix, Cream, Led Zeppelin, Black Sabbath und Steamhammer. In den Siebzigern wird er dann von der Musik von Ash Ra Tempel, Klaus Schulze, Tangerine Dream und Pink Floyd beeinflusst. Seine ersten musikalischen Erfahrungen macht er mit einem Synthesizer (Mini Korg S 700), den er sich bei einem Freund ausleiht. Dieses Gerät fasziniert ihn so, dass er sich einen eigenen Korg MS 20 für ca. 2.500 DM zulegt. Da das Gerät allein nicht ausreicht um Peter`s Ideen umzusetzen, baut er nach und nach sein Equipment aus. Zu diesem Zeitpunkt (so ab 1979) nimmt er bereits seine Ergebnisse zuerst auf zwei Kassettenrekordern im Ping Pong Verfahren auf. Später nutzt er für seine Aufnahmen eine Tascam 32, die dann durch eine Tascam 34 bzw. Tascam 38 ersetzt wird.
1981 gründet Peter seine erste Band mit dem Namen Oceanband. In der Besetzung Wolly Snyder, Peter Schneider, Georg Kersch, Peter Mergener spielten sie eigene Pop- und Rocksongs mit elektronischen Elementen. Wolly Snyder, dessen richtiger Name Wolfgang Schneider lautet, ist jedoch nicht verwandt mit Peter Schneider. Die Oceanband absolvierte nur einige Auftritte. Da die Interessen der Bandmitglieder zu sehr auseinander gingen, hielt diese Formation nicht lange. Peter und Wolly Snyder wollten das alles vereinfachen und Musik mit weniger Leuten machen, daher machten sie ab 1982 unter dem Namen Spaceship allein weiter.
Midi wurde geboren und das Synthesizerstudio Bonn baute Peter ein Interface, mit dem er einen Roland JX 3 P sowie eine TR-808 ansteuern konnte. Außerdem konnte er alle seine analogen Sequenzer synchron triggern. Von MFB (Fricke) kaufte er sich einen kleinen Digitalsequenzer und hatte so die Möglichkeit mehrere Strukturen zu speichern. Er war so in der Lage zusätzlich mit dem Commodore C 64 die kompletten Songs auch live zu spielen. Live ließen Peter und Wolly die vorprogrammierten Spuren ablaufen und spielten dann beide mit Synthies und Fender Rhodes Piano, sowie einem Hohner D6 Clavinett dazu. Holger Marquenie, der 1988 auch auf der Software-Produktion Digital Dance mitwirkt, begleitete sie dazu an der E-Gitarre.
Wolly bekam laut Peter zusehends Höhenflüge und sah die gemeinsam geschaffene Musik als seine eigene an. Für Peter und Holger wurde es immer anstrengender mit ihm zusammen zu arbeiten und so beschlossen sie die Formation 1984 wieder aufzulösen.
Über die Science Fiction-Zeitschrift SF-Star hatte Peter davon erfahren, dass der Sience Fiction-Autor Michael Weisser zusammen mit dem Musiker Robert Schroeder auf der ars electronica 1982 eine Live-Performance mit dem Titel Galaxie Cygnus-A aufgeführt hatte. Peter, der von diesem Konzept begeistert war kontaktierte daraufhin Michael Weisser. In diesem ersten Telefongespräch stellten beide fest, dass sie die gleichen Interessen hatten und beschlossen sich zu treffen.
Der 1948 in Cuxhaven geborene Michael Weisser schloss sein Studium der experimentellen Malerei und Grafik an der Kunsthochschule in Köln mit dem Examen ab und studierte anschließend in Marburg und Bonn die Fächer Kunstgeschichte, Soziologie und Kommunikationswissenschaften. Michael war neben seiner Tätigkeit als Fotodesigner für Multi-Media-Präsentationen u. a. auch als Schriftsteller tätig. Er veröffentlichte beim Suhrkamp-Verlag einige Sience-Fiction-Romane wie zum Beispiel Syn-Code-7 (Thema: Biotechnik), Digit (Thema: Computer) und Off-Shore (Thema: Energie). Diese Bücher sind nicht mehr im Lieferprogramm des Verlages enthalten und können nur noch auf diversen Sammlerbörsen erworben werden. Off-Shore ist auch im Heyne-Verlag als Taschenbuch erschienen.
Als Michael Weisser 1980 seinen Roman Syn-Code 7 schrieb, in dem die Hauptfigur elektronische Musik komponiert, die einen Laserprojektor ansteuert, welcher dann gewissermaßen mit Einzellern beschichtete Kupferflächen stimuliert, hat er sich von den LP`s Timeactor und Tonwelle von Wahnfried (Pseudonym, hinter dem sich Klaus Schulze verbirgt) inspirieren lassen. Michael Weisser dazu 1994 in einem Interview: "Diese Musik war nur ein Hilfsmittel, sie war für mich gewissermaßen nur der erste Schritt. Ich hatte damals sehr konkrete Vorstellungen von synthetischen Klangfarben, die als Sequenzen oktophon durch sphärische Räume perlen."
Das sich Michael Weisser Anfang der 80`er für elektronische Musik interessiert, machen auch die folgenden Auszüge aus seinem Roman Digit deutlich.
"Sie betritt den schmalen Durchgang zur aufgetürmten Elektronik, blickt in die strahlenden Augen einer langhaarigen Blondine und äußert ihren Wunsch: "Kann ich die Disc von Ka/Es haben - sie heißt DOAA?" Die blauäugige Schönheit denkt einen Moment lang nach und meint verwirrt: "Das ist aber eine anachronistische Stereo-Komposition. Die wurde im alten Analog-Prinzip aufgezeichnet; fortschrittlich im Konzept, wenigstens für ihr Alter - aber schlecht in der Qualität." "Ich weiß", lächelt Engel sie entwaffnend an. "Ich würde mich dennoch freuen, wenn es möglich ist ..." Wieder blickt sie in den lebendigen Glanz der blauen Augen, dann wendet sich die Frau um und sucht in einem der Regale nach dem gewünschten Tonspeicher. ....................
Die Blonde hat gefunden, was sie suchte, sie schiebt die kleine Disc in den Analogdecoder, stellt den Leselaser auf Start und tippt auf den Überblendungssensor. Die Disolve-Unit wird aktiviert, der alte Klang mischt sich leiser werdend langsam mit dem aufsteigenden neuen, und es entsteht für einige Momente eine interessante Zwischenform der beiden Kompositionen, bis schließlich der DOAA-Sound dominiert und den Raum beherrschend erfüllt."
Bei der oben angegebenen Disc handelt es sich um Klaus Schulze`s (Initialen KS so geschrieben, wie sie gesprochen werden Ka/Es) Stück Death Of An Analogue (DOAA) von der CD Digit. Und weiter schreibt Weisser in seinem Roman:
"Das Interface liegt in seiner Reichweite; er zieht es zu sich heran und tippt den Code ein, ohne zu zögern: Er hat die Zahlen im Gedächtnis gespeichert. Der Zugriff zum Festspeicher der Musikkomposition steht offen. Er wählt KS 80014 unter LC 6459 zu 1981. Die Digital-Komposition wird aus dem Repertoire der POEM unter dem Kürzel KDM abgerufen.
Der stille Lauf naht, die Chöre tanzen, die LED`s springen und singen in kurzen Atemstößen. Klangflächen treiben heran und pressen sich in die Linie des Horizonts."
Bei dieser Textpassage wird wieder auf eine Platte von Klaus Schulze hingewiesen. Es handelt sich dabei um die Bestellnummer und das Erscheinungsjahr seiner LP Trancefer. Mit KDM ist natürlich Klaus Dieter Müller, der Manager von Klaus Schulze, gemeint.
Michael Weisser stellte auch persönliche Kontakte zu Edgar Froese und Klaus Schulze her. Weisser hatte den ersten Kontakt zur Schulze-Musik, als er die LP Cyborg hörte. Die Musik machte Weisser neugierig auf den Menschen und Musiker Klaus Schulze und so besuchte er ihn im Jahr 1982 in seinem Studio und interviewte ihn. Während des Gespräches mit Klaus schlug er vor, dieses doch auf Band aufzunehmen. Die Aufnahme, die danach mit einigen Musikbeispielen seiner Stücke versehen wurde, sollte ursprünglich von Radio Bremen gesendet werden. Die Redaktion des Magazines SF-Star fand das Material jedoch so gut, dass es als LP in einer limitierten Auflage veröffentlicht wurde.
Als im Jahre 1983 Klaus Schulze sein Plattenlabel IC abstoßen will, übernehmen der damalige Leiter von IC-Australien, Mark Sakautzky, und Michael Weisser das Label und führen es bis Mitte 2001 unter dem Name IC-Digit fort.
Bei dem ersten persönlichen Zusammentreffen im Herbst des Jahres 1984 in Welschbillig präsentiert Peter einige seiner Aufnahmen. Michael ist gleich von der Musik begeistert und schlägt Peter vor, ein gemeinsames Projekt zu gründen. Auch Peter`s Freund und musikalischer Weggefährte Wolly Snyder erhält das Angebot bei dem neuen Projekt mitzumachen. Er lehnt jedoch ab, weil er sich mehr als Sänger/Songwriter verstand und sie ja Instrumentalmusik machen wollten.
Weisser über die Gründung von Software: "Das Magazin SF-Star war damals das führende deutsche Magazin zum Thema Science-Fiction. Es hatte eine sehr gute Verbreitung und wurde auch mit Begeisterung von einem SF-Fan mit Namen Peter Mergener aus der Südeifel gelesen, der mir eines Tages einen freundlichen Brief schrieb. Er teilte mir mit, dass er meine Romane gelesen und sich die Schulze-Interview-LP gekauft hatte und dass er begeistert war. Er versuchte selber Musik zu machen und fragte mich, ob ich ihm irgendwie behilflich sein könnte. Eine Aufnahme seiner Musik lag dem Brief anbei. Ich fand es rundweg gesagt gut, dass jemand so aktiv reagiert und nicht nur einfach liest, sich dann wieder in den Sessel setzt, die Kopfhörer auf die Ohren zieht und konsumiert. Dieses Engagement von Peter hat mich bewogen, spontan zu antworten, ein paar Unterlagen beizulegen und und ihm zu erklären, woran ich gerade arbeite und was ich mir vorstelle. Peter und ich trafen uns im Herbst 1984 in Welschbillig, einem winzigen, romantischen Ort in der Südeifel. Ländliche Idylle. Ein Jagdhaus am steilen Hang eines Mühlenbachtales. Einsam gelegen, umgeben von Wald. Wir saßen in der warmen, gelben Herbstsonne, unterhielten uns mit weitem Blick über das Tal. Ich beschrieb ihm, wie ich mir Musik vorstelle. Sehr schnell war uns bewusst: Wir vertraten die gleichen Ansichten und hatten sofort die gleiche Grundschwingung."
Das erste Projekt erhält den Namen Mergener & Weisser in dem Peter als Musiker tätig ist und Michael die entsprechenden Konzepte erarbeitet.
Zehn Jahre später - im Jahr 1994 - schreibt der bekannte Musikjournalist Albrecht Pilz (Keyboards) über das Zusammentreffen von Mergener und Weisser:
"Keine Frage das Teaming-up von Michael Weisser und Peter Mergener war das Beste, was der Elektronikszene 1984 passieren konnte und, Bit und Byte sei Dank, auch wirklich passiert ist.
Zwei kreative Köpfe taten sich damals zusammen, um den Muff der Berliner Schule der 70er Jahre aus der Elektronikszene der 80er wegzupusten, mit digitalen State-of-the-Art-Sounds, frischen musikalischen Ideen und enormem Erfolg."
Die erste Veröffentlichung des Duos erscheint im Jahr 1984 unter dem Titel Beam Scape. Das Album, welches vier Stücke enthält wird 1990 auf LP und CD herausgebracht. Als Bonus enthält die CD die ersten vier Stücke (die komplette A-Seite) der 86`er LP Night Light.
Für das geplante Konzept, mit der Musik "die Schönheit der High Tech zu ergründen", erschien der Projektname Mergener & Weisser nicht geeignet. Aus diesem Grunde suchten sie einen neuen Namen. Am 15. September 1984 wurde daraufhin das Projekt Software aus der Taufe gehoben.
Michael Weisser schreibt in seinem Romanen Off-Shore von einem Musiker namens Software. Es liegt Nahe, dass der Projektname aufgrund der folgenden Passagen - die hier nur auszugsweise wiedergegeben werden - entstanden ist:
"Raphael Serra, der Betonspezialist der Rig, zog sich ebenfalls eine Liege aus der Wand und richtete sie mit Sicht auf die TV-Fläche ein.
"Gleich kommt Software mit seinen Go-gos." ..... "Danke Lena, vielen Dank. Und nun, verehrtes Publikum, liebe Crews weit draußen im Meer, möchte ich das Neueste vom Neuen ansagen, den Hit von Software. Diese Stimme! Eisig, wie das Eis. Stählern, wie die Rig. Wild, wie der Sturm ... die Stimme, die den Titel singt OFF-SHORE ... der Sound of Sounds ...
" .... Software sprach seinen Text in die Melodien. Akzentuiert, treffend. .... und der knallharte Sound der Combo den Raum erfüllte, .... .... Die Musik wurde lauter, wurde zu einem dichtgewebten Teppich aus Geräuschen, verlaufender Klangfarben. Weit verhallten die Sounds und variierten ihr Volumen. Die Klänge steigerten sich zu einem konzentrierten Geflecht zahlloser Temperaturen ...." Software passt gut zu ihrem Konzept, mit dem neuen Projekt die Schönheit der High-Tech musikalisch auszudrücken. Ihre Musik erstellten sie schließlich auch unter Zuhilfenahme von Computern.
Als erste Veröffentlichung unter dem neuen Namen erscheint 1985 das Album Chip Meditation. Das Konzept beruht auf den berühmten Mandelbrotgrafiken oder auch Fraktale genannt, deren Muster sich unendlich wiederholen. Das Album weist sehr schöne Sequenzen und Melodielinien auf die später typisch für den Sound von Software werden sollen. Das Material wurde jedoch nicht eigens für diese Produktion eingespielt, es bestand vielmehr aus dem vorhandenen Material von Peter Mergener. Das Album erscheint 1990 als CD unter dem Titel Chip Meditation Part I und weist neben den ursprünglichen Stücken, drei weitere Bonustitel auf. Von der CD ist eine limitierte Auflage erschienen, die ein Hologramm in Covergröße enthält. Auf dem Hologramm ist ein Computerboard mit Chips, Widerständen und Kondensatoren zu sehen.
Es folgt in diesem Jahr auch ein weiteres Album von Mergener & Weisser. Es trägt den Titel Phancyful Fire. Der 1950 geborene Musiker, Toni Schneider, der am rumänischen Konservatorium Iassy klassische Musik studiert hat, unterstützt die beiden an der Flöte. Das Album besteht aus drei Titeln, wobei Wind-Flute-Chromatics mit einer Länge von 21 Minuten das längste Stück darstellt. Neben den typischen Mergener/Weisser-Sounds sind hier auch experimentelle Klänge zu hören.
Das zweite Album von Software erscheint ebenfalls in 1985 und trägt den Titel Electronic Universe. Mit diesem Album bauen sie - wie der Name schon erahnen läßt - ein elektronisches Universum auf. In den einzelnen Stücken kann man sich verlieren und in Gedanken in weite Sphären entschweben. Das Album ist von sehr schönen, ruhigen Melodien geprägt. Die Querflöte, die auf dieser Produktion zu hören ist, wurde auf zwei getrennten Spuren live von Toni Schneider eingespielt. Neben drei längeren sehr spacigen Stücken (alle um die 20 Minuten) befinden sich drei kürzere Titel - zwischen 2:21 und 6:12 Minuten auf dem Album, die wieder rhythmischer und im typischen Software-Sound gehalten sind. Einige Passagen klingen ein wenig nach Tangerine Dream, weisen aber immer Peter`s Handschrift auf.
Am 07.11.1985 findet im Kulturbahnhof in Igel (Trier) das erste Software-Konzert unter der Bezeichnung LIT und BIT - Gesang der Elektronen (klingende Bilder von Peter Mergener und Michael Weisser) statt. Ermöglicht wurde diese Veranstaltung von dem Mainzer Musikmarkt, einer Sendung des SWF 1, der zwei weitere Konzerte folgten. Neben Peter und Michael waren bei diesem Konzert live auf der Bühne: Peter Paulus an den Keyboards, Toni Schneider an Flöte und Saxophon und die Schauspielerin Tirza Hase, die den von Michael Weisser geschriebenen Text zur Musik spricht. So entstand eine Synthese aus Wort und Musik. Das Konzert wurde live auf SWF 1 und eine Woche später nochmals auf SWF 2 ausgestrahlt.
Bei der 1985 erstmals durchgeführten Schwingungenwahl des WDR, welche von dem Radiomoderator Winfrid Trenkler durchgeführt wird, tauchen Mergener & Weisser erstmals auf. In den von den Radiohörern ermittelten Ergebnissen belegen Mergener & Weisser den 16. Platz in der Rubrik "Bester Neuling".
Im Jahr 1986 erscheint das dritte Mergener & Weisser-Album mit dem Titel Night Light. Es stellt zugleich die einzige Produktion der beiden dar, die bisher nicht als CD erschienen ist. Die Platte/Kassette ist im normalen Laden nicht mehr erhältlich. Auf dem Album ist zu lesen, dass "Night Light Teil der Musik ist, die das geheimnisvolle Dunkel der Gefühle mit dem Licht des Intellekts erhellt. Der Wechsel von Emotion und Ratio, von vertrauter Harmonie und aufregendem Experiment". Die Musik entstand für ein sensorgesteuertes Licht-Klang-Objekt, welches von dem Dokumenta-Künstler Klaus Geldmacher geschaffen wurde. Auf dem Album spielt Toni Schneider bei dem Titel Double-Binded-Sax Saxophon. Herbert Seer übernahm bei dem Stück Moonly-Twigs das Gitarrenspiel.
Das Fachblatt Musik Magazin schreibt 1986 über ihre Musik: "Man ist hingerissen von den fließenden Melodiebögen, ist auf charmante Weise entspannt. Die Rede ist von Elektronikmusik der allerfeinsten Sorte, wie sie jetzt von Mergener/Weisser vorliegt. Exzellent produziert und mit viel Liebe zum Detail. Ein Ohrenschmaus für entspannte Stunden." Die Zeitschrift Chip ist der Auffassung, dass "ihr Konzept ein Gesamtkunstwerk aus Computer-Grafik, -Musik und -Poesie darstellt. Auch die Plattencover sind digitalisierte Träume; die zu Bild und Musik passenden Verse sollen die Meditation unterstützen."
In der Schwingungenwahl des Jahres 1986 schaffen es das Projekt Mergener & Weisser in der Rubrik "Bester Künstler" auf Platz 15 und Software auf Platz 18. Das Album Night Light von Mergener & Weisser kommt in der Rubrik "Bestes Album" auf den 20. Rang. Im Jahr 1986 kann Peter noch einen anderen Erfolg für sich verbuchen, er erhält den Förderpreis des Südfestfunks.
In den Jahren 1986/1987 findet eine Promotionstour statt, die die beiden nach New York, Montreal, Los Angeles, Melbourne, San Antonio und Dallas führt. Als Lizenzpartner agierten die Firmen Suit Beat (USA) und Chacra-Music (Kanada).
In 1987 kommt Syn-Code von Software auf CD und LP heraus. Zu bemerken ist, dass der Album-Titel der LP-Version Elektronische Träume (Untertitel: Syn-Code-Sinfonie für Computermusik und Sternenlicht) trägt. Auch das Plattencover ziert eine andere Computergrafik als auf der CD. Als Gastmusiker sind bei dieser Produktion Pam Lambert (Menschliche Stimme), Herbert Seer (Gitarre) und Toni Schneider (Flöte und Saxophon) dabei. Der Untertitel der CD lautet: Symphony For Computer And DNA-Molecules Life-In-Concert. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um eine Liveaufnahme, sondern vielmehr um das Konzept, das Leben im Konzert darzustellen.
Die CD ist gleichzeitig eine musikalische Umsetzung des Romanes Syn-Code-7 von Michael Weisser. Der Text des Booklets gibt einen Einblick in diese fantastische Welt. Dort heißt es: "Biochips, jener reine Stoff aus dem die Welt von morgen ist sind Lieder, werden gefühlt vom künstlichen Menschen in dieser Zeit auf dieser Welt. Flüsternde Winde. Fetzende Blitze. Der Regen. Das Meer. Gesänge der Wale. Leben im Konzert. SYN-CODE digital codiert natürlich!
Die Stimmen der synthetisch codierten Lebensform singen das Bild einer neuen Welt in der intelligente Micro-Chips mit biologisch aktiver Materie geimpft sind. Hier und Heute! Natur und Technik. Klingende Ornamente haben eine neue schillernde Schönheit geboren. Elektronische Musik malt Bilder von der Zukunft die in der Gegenwart liegt."
"Das Thema Natur und Technik und besonders die überraschend neue Welt der Fraktale hat mich damals stark inspiriert", erklärt Peter 1996. "Wir haben dieses Thema erstmals 1987 konsequent in dem Konzeptalbum Syn-Code umgesetzt, und es ist bis heute trotz rasanter technischer Weiterentwicklung für uns ein echter Meilenstein geblieben."
Michael zu den Beziehungen zwischen der CD und dem Buch: "Syn Code ist die Abkürzung von synthetisch codiert, das heißt wir gehen hier von einer technisch geprägten Welt aus, in der eine neue Natur geschaffen wird, also eine neue globale Situation in der der Mensch lebt. Wir empfinden diese Situation natürlich auch aus den Nachrichten einerseits als etwas bedrückend, das heißt das diese Kräfte nicht einseitig zu sehen sind. Aber andererseits sehen wir auch die ganze Ambivalenz und finden auch sehr schöne Aspekte in der technisch geprägten Welt. Der Roman Syn Code, von mir, der ist 1972 bei Suhrkamp erschienen, in der Phantastischen Bibliothek. Er beschreibt eine Welt, in der synthetisch codierte Einzeller auftauchen; die durch den Menschen, das heißt durch Veränderung der DNS-Moleküle der Gene künstlich geschaffen wurden, die dann aber ein Eigenleben übernehmen. Die Grundidee, dass es in absehbarer Zeit, man kann fast sagen, das gibt es heute schon, allerdings in übertragenem Sinne, eine Synthese stattfindet von biologischem Leben und technischem Chip. Das haben wir eigentlich auf dieser Platte ausgedrückt durch Stimmen, durch die Mischung von natürlichen Sounds mit Soundsampling. Die Sounds haben wir verändert, das heißt wir haben das Klangspektrum der Erde verwandt und eingesetzt und technisch modifiziert, das heißt wir haben synthetisch codiert. Der Titel des Buches, hinter dem natürlich ein sehr komplexer Inhalt steht, hat uns beide eben angeregt, diesmal eine ganz bestimmte Form von Sounds zu wählen und diese miteinander zu verknüpfen. Und so muss man die Musik auch sehen."
In einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren kam Syn-Code 1987 in einer handsignierten Version heraus. Dieser Auflage war ein 38-seitiges Booklet beigefügt, welches unter dem Titel "Digitale Kunst" die Entwicklung der Computergrafik von ihren Anfängen bis zu einer eigenständigen Kunstform aufzeigt.
Die Zeitschrift esothera beurteilt die Platte: "Syn-Code ist ein akustisches Panorama, das in dieser Form kein zweites Mal geboten wird. Ein Kleinod für Kenner."
Im Jahr 1987 erscheinen zeitgleich zwei Best Of-Alben von Software unter dem Titel Past-Present-Future, die mit dem Zusatz Vol. I und Vol. II betitelt sind. Auf dem Album Vol. I werden Stücke des ersten Software-Albums Chip Meditation und den Mergener & Weisser-LP`s Beam Scape und Phancyful Fire zusammengefasst. Vervollständigt wird die CD durch zwei bis dato unveröffentlichte Stücke.
Auf dem Album Past-Present-FutureVol. II sind vier Stücke der LP Night Light, zwei Titel von Electric Universe sowie je ein Stück von Phancyful Fire und Syn-Code enthalten. Der Titel Syn Code liegt hier in einer remixten Version vor. Die beiden Best Of-Alben bieten einen guten Einstieg in die musikalische Welt des Duos Mergener und Weisser.
Past-Present-Future erscheint ebenfalls auf LP. Die Musik auf diesem Doppelalbum ist nahezu mit den Stücken der beiden CD`s identisch. Aufgrund der begrenzten Spieldauer der Vinylscheiben fehlen hier allerdings drei Stücke im Gegensatz zu den CD-Versionen.
Michael Weisser erklärt 1987 in einem Interview den Unterschied der Software-Musik zu der Mergener & Weissers: "Wir haben ein kleines, für Musikelektronik sehr spezialisiertes Studio in der Südeifel am Hang eines Tales. Absolut romantisch mitten in der Natur gelegen. Wenn man den Raum betritt, in dem das Studio ist, ist man in einer rein technischen Welt. Wenn man den Raum verlässt ist man in einer recht ungetrübten Natur, die geradezu von einer gewissen bäuerlichen Idylle umgeben ist. Das ist eine Situation die einen natürlich bestimmt und die wir beide unheimlich genießen. Diese Arbeitssituation hat sich natürlich niedergeschlagen auf unser Konzept oder unsere Konzepte. Mergener & Weisser haben mit den drei Platten, die wir unter dem Namen gemacht haben, also das war Beamscape, Phancyful Fire und Nightlight ... Wir sind davon ausgegangen, dass wir in einer natürlichen Situation leben, also in einer Situation, in der wir sehr viel Natur vorfinden. Aber das diese Natur natürlich nicht Natur im alten Sinne ist, das heißt Natur von Menschen völlig unbeeinflusst. Der Mensch hat ja sehr früh in die Natur eingegriffen und hat diese gestaltet. Diese Gestaltungsform oder die Kräfte dieser Gestaltung, die werden ja im weitesten Sinne mit Technik umschrieben. Wir wollten einfach mal deutlich machen, das was wir empfinden, nämlich in einer natürlichen Situation, technische Elemente hineinbringen. Das machen wir sehr deutlich durch die Plattencover, auf denen durchweg Landschaftsstimmungen, Abendstimmungen wiedergegeben sind, die aber von den Lichtern her nicht natürliche Lichter aufweisen, wie etwa einen Mond oder Sonnenstrahlen, sondern in der technisch inszenierte Lichter sind. Das heißt, die Fotos habe ich damals selber gemacht. Da haben wir Raketen in die Luft geschossen, Leuchtraketen und haben das mit offener Blende aufgenommen. Und so sind technisch inszenierte Lichter reingekommen. Das Konzept Software unterscheidet sich musikalisch, zumindest bislang nicht wesentlich von dem was Mergener & Weisser gemacht haben. Da sind wir nur von einem anderen Ansatz gekommen bzw. ausgegangen. Wir haben uns einfach vorgestellt, wenn wir in unserem Studio drin sind, welche Schönheit in der Technik drin liegt und haben versucht die auszudrücken und haben die wiedergegeben durch dieses sehr konsequente Konzept der komplexen Computergrafik, die wir dort eingesetzt haben, oder auch dieser High-Tech-Lyrik, die wir auf den Covern veröffentlicht haben. Das heißt, Mergener & Weisser und Software unterscheiden sich an sich nicht wesentlich im musikalischen, wo ich wieder sagen muss bislang, sondern mehr vom Ansatz her. Der Ansatz ist einmal im Studio, drinnen in der technischen Welt, das ist Software-Feeling und draußen, davor, in der Landschaft der Eifel, das ist Mergener & Weisser-Feeling."
G.E.N.E. ist ebenfalls ein Projekt des IC-Digit-Labels welches als Abkürzung für "Grooving Electronic Natural Environments" steht. Das Projekt wurde 1987 in Kanada aus der Taufe gehoben, als sich "Filmer und Musiker über Natur und Technik, über Kunst und Literatur und über die Veränderung der Welt unter dem Einfluß des Menschen und seiner Maschinen unterhielten". Laut Angabe des Labels auf der CD-Hülle konnte die 1963 in Vancouver/Kanada geborene Cléo de Mallio, die bereits meditative Filmmusiken komponierte und seit 1986 als Sound-Designerin bei Filmproduktionen arbeitete für dieses Projekt gewonnen werden. Diesen Name soll Michael Weisser einem seiner Romane entnommen und als Pseudonym benutzt haben. Zusammen mit unterschiedlichen Musikern, darunter auch Peter Mergener, entstanden bis heute zahlreiche Werke. Auf ihren Reisen nimmt Mallio/Weisser die unterschiedlichsten Natursounds auf, die dann Grundlage für die Musik der G.E.N.E.-Produktionen sind. Sei es der Regenwald, die Landschaft Mallorcas, die geheimnisvolle Welt Balis oder Unterwasserregionen, all diese Naturschauspiele werden zu musikalischen Erlebnissen.
Das erste G.E.N.E.-Album erscheint 1987 unter dem Titel Fluting Paradise. Grundlage hierfür ist die weite Einsamkeit der kanadischen Wälder und Seen. Die Musik stammt von Peter Mergener, der unter dem Pseudonym Crystal Binelly auf der Platte firmiert. 1988 erscheint ein weiteres Album von G.E.N.E. unter der Beteiligung von Peter Mergener. Der Titel des Albums lautet Life Is A Melody und befasst sich ebenfalls mit der kanadischen Natur.
In den Platzierungen der Schwingungenwahl klettern Software kontinuierlich nach oben. In der Rubrik "Bester Künstler" kommen sie 1987 auf einen hervorragenden dritten Platz. Unter dem "Besten Titel" können sie mit Syn-Emotion (Platz 14) und Syn-Code (Platz 4) gleich zwei Stücke in die Top 20 platzieren. Mit ihrem Album Syn-Code landen sie mit dem vierten Platz in der Rubrik "Bestes Album" in den oberen Rängen. Das Projekt G.E.N.E. schafft es in der Rubrik "Bester Neuling" bis auf Platz 8.
Am 15.01.1988 findet die erste Monitor-Multivision in der Bayreuther RathausGalerie statt. Sie trägt den Titel "Syn-Code", Symphony For Computer And DNA-Molecules. Bei dieser Veranstaltung spielten Software jedoch nicht live. Das nächste Album von Software heißt Digital Dance und erscheint 1988. Der Untertitel der CD lautet Magic Sounds From Percussion Island. Zu Beginn hat man auch gleich das Gefühl eine Insel zu betreten. Im ersten Stück Oceans-Breath sind Wellenrauschen und Möwengeschrei zu hören. Bei diesem Album wirken Toni Schneider (Flöte und Saxophon) und Holger Marquenie (Gitarre) mit. Bei dem Track Island-Sunrise spielt Wolly Schneider zusätzlich Keyboards. Es entstand ein sehr relaxtes Album. Digital Dance kommt zusätzlich in einer sehr ansprechenden Picture-Vinyl-LP-Version heraus.
Software story 2